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Meine Geschichte #lillymeow

Meow ihr lieben Fellnasen und Nacktmenschen,

Ich bin Lilly.

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Ich bin eine glückliche und gesunde Wohnungskatze und ich liebe meine Mitbewohner – ich bin aber vorsichtig damit, das zu zeigen, weil ich nicht will, dass sie zu kuschelig werden.

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Ich will mich außerdem lieber nicht zu sehr an sie gewöhnen.

Denn wenn das Leben mich eine Sache gelehrt hat, dann ist es, dass man nie weiß, wie lange man an einem Ort bleiben wird.

Ich mag mein Leben so wie es jetzt ist.

Ich genieße es sogar richtig!

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…aber das war nicht immer so.

Also ich noch sehr klein war, adoptierte mich eine Frau. Damals habe ich gedacht, sie wäre meine Mutter. Jetzt weiß ich aber, dass meine Mutter auch eine Katze gewesen sein muss. Das habe ich selbst rausgefunden, als ich mich eines Tages seltsam gefühlt habe. Ich hatte auf einmal tief in mir das Gefühl, dass ich eine männliche Katze finden muss um kleine Katzen zu machen. Als ich das gefühlt habe, wusste ich auf einmal, dass auch ich einmal so entstanden sein muss. Meine Mutter musste also eine Katze gewesen sein, wie ich.

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Eine Weile später brachte man mich zu einem von diesen Nacktmenschen, die einen weißen Kittel tragen. Ich habe gelernt, dass sie dazu gedacht sind, kranke Tiere gesund zu machen. Aber mein Kittel-Nacktmensch muss kaputt gewesen sein, denn als ich hinfuhr war ich gesund und als ich aufgewacht bin ging es mir fürchterlich schlecht. Ich habe an diesem Tag ein bisschen von meinem Gedächtnis verloren und weiß nicht was passiert ist, aber seit diesem Zwischenfall hatte ich nie wieder das Gefühl einen Kater finden zu müssen.

Bald zog ein männlicher Nacktmensch bei meiner Menschen-Mutter ein. Sie stritten oft – und irgendwann hat Mutter uns zurückgelassen. Ich habe das nie verstanden, aber ich fühlte mich verwirrt, verletzt und allein.

Ich habe sie nie wieder gesehen.

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Eine Weile später kam ein neuer Nacktmensch in mein Leben. Eine Frau. Sie hat mir eine eigenartige Halskette umgebunden. Ich habe mich daran gewöhnt, aber ich fand sie niemals schön. Als ich älter und größer wurde, fing die Halskette an mir schrecklich weh zu tun – ich habe sie aber nie loswerden können, sie war einfach zu eng.

Irgendwann hat die neue Nacktmenschin angefangen sich zu verändern. Wo vorher ihr Bauch war wuchs eine große Kugel, die sie das „Baby“ nannten. Sie redeten mit der Kugel in der Stimme, die für mich reserviert war. Vielleicht war eine seltsame Katzenart darin? Aber die Kugel hat nie zurück-meowed. Sie brachten einen Hund nach Hause, den ich nicht leiden konnte! Er versuchte mein Revier zu seinem zu machen und meine Nacktmenschen stoppten ihn nicht dabei.
Ich habe protestiert und um Hilfe gebeten.
Aber sie verstanden mich nicht.

Je größer die Kugel wurde, desto mehr sprachen die Nacktmenschen über mich.
Ich habe sie immer wieder meinen Namen sagen hören.

Dann kam der Tag an dem sie mich in einer kleinen Box auf eine beängstigende Reise mitnahmen.

Ich wollte weg. Raus. Nicht mehr geschüttelt werden. Ich wollte nicht sterben. Ich hatte Angst.

Auf einmal war alles still. Mein Kopf dröhnte vor Schwindel und meine Box wurde angehoben. Frische Luft wie sie sonst nur aus Fenstern kommt drang an meine Nase und der Geruch interessierte mich so brennend, dass ich einen Moment meine Angst vergaß.

Sie trugen ich in einen Raum mit einer Nacktmenschin darin, die ich noch nie gesehen hatte. Sie sprachen mit ihr und ich wartete, dass wir endlich nach Hause fahren würden.
Wir fuhren nie mehr nach Hause.

In ihrem Leben war kein Platz mehr für mich.

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Inzwischen weiß ich, was ein Baby ist.
Es ist ein Nacktmenschen-Kätzchen. Ein Nachwuchs-Menschlein.

Anscheinend mögen die Nacktmenschen uns Fellnasen nicht mehr, wenn sie neue Menschen machen.  Ich frage mich, ob das für alle Nacktmenschen gilt?

Nachdem sie mich verlassen hatten, brachte die Frau mich in einen Raum mit zwei fremden Katzen.

Ich hatte große Angst, denn solange meine Erinnerung zurückreicht habe ich nie eine andere Fellnase persönlich kennen gelernt.

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Eine der Fellnasen war ganz weiß und hatte große tiefe Narben auf dem Rücken. Er hatte zweifarbige Augen – ein grünes und ein blaues. Seine Nacktmenschen mochten ihn nicht mehr, weil seine Narben nicht hübsch waren. Er war sehr freundlich und ist immer in den Flur entwischt wenn die Futterfrau zu uns kam.

Die andere Katze war grau und groß. Er hatte runde gelbe Augen und wurde schnell zu meinem Freund. Er war keine Fellnase vieler Worte, aber ich konnte bei ihm liegen, still sein und mich sicher fühlen. Seine Menschen mochten ihn nicht mehr, weil er sie gebissen hatte. Er erzählte mir eines Tages, dass die Nacktmenschin bei der er lebte ihn ständig streicheln wollte und bedrängt hat. Ich hätte auch gebissen, wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre.

Ich war eine Weile im Tierheim (so heißt der Ort mit den Katzenräumen). Es war ein freundlicher Ort. Dennoch vermisste ich mein zu Hause. Ich hätte lieber wieder ein eigenes Territorium gehabt, aber es gab immer frisches Wasser und Futter und unsere Räume waren sehr sauber. Das beste aber war, dass ich endlich meinen Hals frei bewegen konnte, denn im Tierheim mochten sie meine Kette genauso wenig wie ich und haben mich davon befreit.

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Eines Tages kamen fremde Nacktmenschen. Sie kamen um mich zu besuchen und sie wussten meinen Namen. Sie waren männlich und weiblich, so wie meine vorherigen Menschen. Und ich war mir mit einer Sache sicher: Nie mehr würde ich zu Nacktmenschen gehen, die vielleicht ein Menschen-Kätzchen machen und mich wieder hinauswerfen würden! Ich knurrte und versuchte zu beißen. Ich ließ sie wissen, dass ich kein Spielzeug bin.
Aber sie schienen keine Angst vor mir zu haben.

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Nach einer Weile gingen sie wieder.
Ich wollte stolz sein – aber in mir war nur Traurigkeit. So ein neues zu Hause ist schon ein schöner Traum, der manchmal ein bisschen schwermütig macht.
Aber eine Fellnase muss sich selbst beschützen!

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Wenn du auch eine Fellnase bist, will ich dir ein paar Tipps geben, wie du herausfinden kannst, ob deine Nacktmenschen dich für ein lebendiges Spielzeug halten:

Sie wollen dich immerzu streicheln und merken nicht, ob das für dich okay ist. Sie denken immer nur an sich, nicht daran was du möchtest. Sie sprechen grade noch mit dir in dieser besonderen quietschigen Stimmlage und auf einmal ignorieren sie dich, wenn du nicht gleich reagierst.

Die Menschen, die mich besucht hatten, waren nicht so gewesen

Ich fragte mich in dieser Nacht, ob sie mich gemocht hätten, wenn ich ein bisschen freundlicher gewesen wäre. Ich ärgerte mich über ich selbst.
Am nächsten Tag kamen sie wieder.
Ich war aufgeregt.

Ich fühlte mich von ihnen respektiert. Ich fühlte ein Vertrauen in mir, dass stärker war als meine Angst, wieder in eine kleine Box gesteckt zu werden.

Sie setzten sich ruhig zu mir uns sprachen leise. Das Nacktmenschen Männchen hatte eine wundervolle tiefe Stimme, die ich sehr mochte.

Sie warteten auf mich. Darauf, dass ich zu ihnen kommen würde.

…und das ist es, was ich getan habe.

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Auf Instagram findet ihr mich unter dem Hashtag: #lillymeow

6 comments

  1. Jaaaah 🙂 Man merkte Anfang besonders stark, dass sie so einiges durchgemacht hat, was Vertrauensprobleme angeht. Sie war sehr sehr reserviert und wurde schnell aggressiv, inzwischen vertraut sie uns schon viel mehr 🙂

  2. candyshop60 says:

    Ich freue mich immer wieder, wenn es Katzen zu Menschen schaffen, die diese auch verstehen… Habt ihr gut gemacht… Vielleicht interessiert Euch ja auch die Geschichte unserer Diggles… https://schnuckyathome.wordpress.com/2014/09/16/drama-am-morgen/ Für alle Kapitel dieser Geschichte, die wirklich ein wundervolles Ende nahm, einfach Diggles in die Suchfunktion eingeben… falls Interesse besteht…

    Übrigens – 🙂 ehe ich es vergesse – einen schönen und informativen Blog hast Du und meine Anerkennung, dass Du aus Knipsern Bildermacher machen möchtst. Mach weiter so!

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